Ziel dieser von Nora Schattauer kuratierten monographischen Reihe ist es,
vielfältige Facetten zeitgenössischen  Zeichnens (Schwerpunkt: nicht-
illustratives Zeichnen) zu versammeln und zur Diskussion zu stellen.
Für jede Ausgabe wird ein Künstler/eine Künstlerin eingeladen, die zur
Verfügung stehenden 32 Seiten des jeweiligen Heftes nach eigenen
Vorstellungen zu nutzen und im „Raum des Heftes“ einen authentischen
Beitrag zur eigenen zeichnerischen Praxis zu entwickeln.


DRAW # 1 Nora Schattauer
Monographisches Künstlerheft
Format: 23 x 16,3 cm
32 Seiten mit zahlreichen  s/w Abbildungen
Schweizer Broschur
Auflage 300 nummerierte Exemplare
ISBN 978-3-86895-095-3
Preis 12,00 Euro

Nora Schattauers Zeichnungen entfalten ein Potential von Schwingungen,
Rhythmen und abstrakten Intensitäten. Die Suche nach offenen
Linien-Strukturen ist bestimmt durch  experimentelles Vorgehen und das
Prinzip von Nicht-Komposition. In den Blind-Zeichnungen durch  Kohle-
Papier eröffnet sich eine neue Realitäts-Ebene zwischen Zeichnung und
Monotypie. Das Erkunden des Zeichen-Vorgangs ist  Teil des künstlerischen
Prozesses. Linien werden dabei in einer nicht vorhersehbaren Weise vermengt,
vernetzt und überlagert. Variationen und Kontinuitäten beruhen auf  immanenten
Anziehungs-Kräften. Improvisatorische Strategien werden ins Bild gesetzt;
Zeichnungen werden zu Energie-Protokollen.


DRAW # 2 Katharina Hinsberg
Monographisches Künstlerheft
Format: 23 x 16,3 cm
32 Seiten mit zahlreichen s/w Abbildungen
Schweizer Broschur
Auflage 300 nummerierte Exemplare
ISBN 978-3-86895-097-7
Preis: 12,00 Euro

Katharina Hinsbergs Schaffen ist vielseitig und erweitert den
engen Begriff des Zeichnens im Hinblick auf Schnitte (Strichgitter), geradezu
plastische Gebilde (Nulla dies sine linea) bis hin zu Rauminstallationen, die
auf  Papier-Konstellationen beruhen. Dabei versteht die Künstlerin Papier als
konkrete Materialität, welches nicht durch einen Rahmen "aufgehoben" vom
Betrachter distanziert wird. Mit reduzierten, mimetischen Mitteln untersucht
Hinsberg grundlegende Kategorien wie Verdopplung, Tilgung, Entzug
(und Re-Signation), Raum und Lage, Verfahren, Zeit oder Zufall – vieles,
das über die Zeichnung, ja die Kunst hinausgeht.


DRAW # 3 Stephan Baumkötter
ISBN 978-3-86895-120-2

Die Zeichnung als selbständiger Bereich im Werk Stephan Baumkötters hat sich aus der Malerei entwickelt. Die Zeichnungen Stephan Baumkötters entstehen, wie die Malerei, wesentlich aus dem Prozess des Zeichnens, der körperlichen Handlung. Alle entstehenden Graphismen, Lineamente und vagen Formen sind Setzungen, ohne jede Expressivität. Die Papierarbeiten kehren historische, immer noch virulente Auffassungen von Linie, eine Art Idealismus der Linie, der Zeichnung überhaupt um. Was sich durch den Arbeitsprozess ergibt, ist die Zeichnung. Diese ortlose Struktur entspricht ihrer Weigerung einen Ort zu konstituieren.


DRAW # 4 Jonathan Bragdon
ISBN 978-3-95763-224-1

1. Die Vertrautheiten der Physik
sind gleichgültig verglichen
mit denen einer Linie,
die gezeichnet wird, zum Beispiel
von einem Auge, das in den Wendungen
und Verschiebungen
eines Baumes Leben
von der Krone
zur Wurzel
in der Erde,
sich augenblicklich und langsam in
Ereignisse verwickelt, die keine Spur oder
Tünche wiederholen kann, dennoch
für sich Anzeige und Ansprache sind.

2. Wessen rastloser Abstand
hat einen Körper in die Hand genommen,
Sichtlinien für Ankünfte gezeichnet,
Oberflächen nach innen gespalten
und einen Horizont
wie den Saum eines Vorhangs angehoben
und dem Zufall
Einladungen ausgesprochen?

3. Wer fädelt Gedanken auf
wie gefangene Fische,
Leben geschenkt und gekauft,
Atem eingezogen und ausgestoßen,

Tode gefunden und dann verloren?


DRAW # 5 Norbert Schwontkowski

ISBN 978-3-86895-230-8

DRAW ME IN THE DAWN (Zeichnen oder sägen)
Im Englischen klingt das besser, ist näher dran: DRAW. Da spürt man auch RAW und SAW und DRAWN und mehr. Zeichnen ist also Säge oder rohes Fleisch oder etwas Ersäuftes in der Dämmerung.
Eine Linie ist immer ein Riss. Wie die Linien unserer Hand auch Risse sind, und der Horizont gerissen ist vom Fundament.
Eine Linie eine Zeichnung ist vom Wollen gesteuert. Wir wollen immer irgendwohin. Und meistens wollen wir ganz weit nach vorne oder oben und denken uns die unendliche Linie.


DRAW # 6 Thomas Müller
ISBN 978-3-86895-231-5

Thomas Müller ist ausschließlich Zeichner. Seine zeichnerische Sprache entfaltet sich in Bewegungen, die zwischen verschiedenen sich ergänzenden Polen oszillieren: Komplexität und Einfachheit, Nervosität und Ruhe, Fülle und Leere, Ordnung und Chaos, Linien, die trennen und Linien, die verbinden. Dabei wächst die Arbeit rhizomatisch in verschiedene Richtungen gleichzeitig und die einzelnen Arbeiten stellen untereinander ein immer wieder sich veränderndes Netzwerk von Bezügen her.


DRAW # 7 Christopher Jenssen
ISBN 978-3-86895-303-9

Als ich 16 Jahre alt war, bin ich, statt Samstagabend tanzen zu gehen,
gerne zu hause geblieben um zu zeichnen.
Ich habe meinen Freunden versucht zu erklären, dass ich nur das tat,
was ich am liebsten tue.
Ich mochte immer die Skizzenbücher von der fantastischen ewigen Reise von
Le Corbusier – die sind eigentlich meine Favoritzeichnungen – das sind Zeichnungen, bevor sie überhaupt welche geworden sind.
Man sollte fertig gedacht haben, wenn man zeichnet.
Bei Paul Klee und seinen "Handzeichnungen" hat es mich immer gewundert,
dass er sich nicht so richtig von dem Denken befreien konnte – besonders
wenn sie "richtige" Paul-Klee-Zeichnungen wurden ...
Es gibt Zeichnungsfundamentalisten – sie reden sehr eindrucksvoll über die Linie.
Ich habe ein sehr schönes Buch mit Helmut Federles "Nachbarschaft der Farben" – dort ist die Linie penetrant und schön: gebunden ans Lineal!
Ich habe viele Bücher die sich nur mit Zeichnung beschäftigen – und ich muss an "The Drawings of Rodin" denken – sehr, sehr intim und frei –
frei von Rodin, könnte ich denken.
Ich habe die gesamten Zeichnungsbücher von Per Kirkeby – und er ist nicht so frei von sich selbst wie Rodin – aber er zeichnet ununterbrochen und vielleicht ist es eher so herum, dass er in seinen gemalten Bildern weniger Kirkeby ist als in seiner Zeichnung!
Martin Assig macht tolle Zeichnungen – das kann man sich vorstellen – aber dass Robert Ryman zeichnet ist eher unwahrscheinlich, denke ich ...
... Cy Twombly ist eigentlich kein Zeichner – David Hockney zeichnet sehr zart und präsent – Gerhard Richter ist auch kein Zeichner – aber Matisse!
Ich habe viele Bücher mit Zeichnungen und einige habe ich selber gemacht –
und wenn ich zusammenfasse, was ich jetzt gerade denke – und das sage ich auch meinen Studenten:
Das Zeichnen ist das Wichtigste!
Das Zeichnen ist wichtig um das Wichtige zu verstehen!
Alle sollten das Zeichnen für sich entdecken – das habe ich versucht meinen
Freunden zu erklären – ich tue das immer noch!


DRAW # 8 Karoline Bröckel
ISBN 978-3-95763-030-8

In meinen Zeichnungen mache ich Dynamik sichtbar. Erlebtes erfährt unmittelbar eine Transformation und erscheint als Bewegungslinie oder Strichfeld auf dem Papier. Dabei interessiert mich besonders die nicht-lineare Dynamik, etwa ein Bewegungsablauf, der nicht vorher sehbar ist. Auslöser für die Vielfalt meiner Linien und Zeichen finde ich im Herabsinken von Schneeflocken und vom Wind bewegten Zweigen, oder im Prasseln des Regens auf Stein.

Das Wahrnehmen des Fluges einer Schwalbe am Himmel wird zur Linie auf dem Papier.


DRAW # 9 Nanne Meyer
ISBN 978-3-95763-311-8

Jede Doppelseite ein Linienspiel, das im Umblättern Nachbilder mitnimmt, Reste weiterspinnt oder Brüche erzeugt.

Linien sind überall, in der Welt, im Kopf, in der Hand. Eine Linie kann befestigen und öffnen, ordnen und verwirren, trennen und verbinden, umreißen und durchkreuzen, Grenze, Knäuel, Kontur, Schwingung, bestimmt und unbestimmt sein. Durch Bewegung gelangen Linien aufs Papier. Sie suchen, behaupten, fragen, spielen, denken, stolpern, zögern, brechen ab, verschwinden, tauchen wieder auf und so weiter und verraten viel über den, der zeichnet - viel, aber nicht alles. Es bleibt immer ein Rest, der das Zeichnen in Gang hält und die Gedanken auf die Reise schickt.


DRAW #10 Monika Brandmeier
ISBN: 978-3-95763-311-8

Mitten im Raum liegt auf dem Rücken die Zeichnung. Ein Blatt Papier, das leicht zu knicken ist und fast nichts wiegt. Was als oben und unten gedacht war, versteht sich jetzt als vorne und hinten. Oben, das ist die Oberfläche, auf der die gezeichneten Stellen Platz genommen haben. An den Wänden des Raums bilden Linien, Löcher und deren Reparaturen, Nägel und Drähte ähnliche Gruppen, wenn auch unverbindlicher. Die Abstände zählen, die Luft zwischen den wiederkehrenden Zeichen. Zylinder, Gerippe, Kreuzungen und Abweige, aber auch Linienstummel, die eine Richtung vorschlagen ohne selbst unterwegs zu sein. Die Sachen an den Wänden verbinden sich mit allem, was ihnen nahe kommt. Dagegen ist die Zeichnung auf dem Blatt mit vier Rändern eine Kapsel, die die Gedanken konzentriert und im Moment des Kontakts zwischen Zeichner und Papier eine oft beschriebene Gegenwärtigkeit herstellt. Diese Kapsel ist ein Raum eigener Erregung, denn jede Zeichnung beginnt mit einem Mutwillen, den es bedeutet, eine intakte leere Fläche zu stören. Erst später, nach dem Zeichnen, kann man wieder sehen, dass das Blatt auf dem Tisch liegt und mit seinen Rändern irgendwas berührt. Vielleicht scheint etwas von unten durch. Vielleicht ist das Blatt erst auf dem Stapel schön. Die im Bild verkapselte überlegung sucht Anschluss. Das Papier entspannt sich, die Fläche ruht sich auf ihrem Schatten aus oder hängt mit der Wand zusammen. Und die Zeichnerin denkt an den dunklen Raum unter der Zeichnung.


DRAW #11 Martin Assig
ISBN: 978-3-95763-367-5

Mein Telefon stand durch ein Kabel mit der Wand verbunden auf dem Schreibtisch. Früher hatte die Verbindung zur Welt ihren festen Platz.
Beim Gespräch am Telefon begann die Hand zu zeichnen. Sterne, Gitter, Durchkreuzungen und Wiederholungen suchten sich ihren Ort.
In der Hochschule noch die Zeichnungen des Studiums, des Vereinbarten, hier nun Striche, Linien aus dem Inneren. Ganz körperlich berührte mich das so Gezeichnete. Das stellte alles Gelernte in Frage, war der Anfang von Eigenem.
Ein Pinsel mit Tusche berührt das leere Papier. Im Sitzen oder im Stehen, bergebeugt, die Fläche im Blick, zeichne ich. Durch Bewegung der Finger entsteht eine Linie. Gespannt verfolge ich ihren Verlauf mit den Augen. Meine Vorstellung bestimmt die Geschwindigkeit ihrer Ausdehnung. Der Abrieb, das Einsickern der Farbe, teilt das Papier in Schwarz und Weiß. Mein Körper spürt die Spannung zwischen Papier und Linie, Gewichte werden nachvollzogen und der Geist prüft die Form. Ich beobachte, lasse geschehen und entscheide. Material verwandelt sich in Zeichnung, Papier und Farbe werden Zeichnung, sind nun Anschauung und Gegenstand.
Die Zeichnungen werden mir ein Gegenüber. Eigenständig geworden, spiegelt sich das Gezeichnete mir fremd zurück. Immer wieder noch mal, immer mehr, immer weiter zeichnen.
Nach und nach füllen die vielen Zeichnungen mein Atelier.
Mit Magneten befestigt hängen sie in langen Reihen an den Wänden.
Die Wände sind voll davon. Die Zeichnungen umgeben mich.
Im Vorbeigehen, im flüchtigen Erscheinen prüfe ich ihre Eigenart sowie ihren Widerstand. Das Eintauchen in diese Fülle beruhigt mich und macht mich glücklich. Ich kann nicht aufhören.


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